Tobias Sammelsurium der Woche #06/2024

Vor 40 Jahren sang Herbert Grönemeyer »Männer weinen heimlich / Männer brauchen viel Zärtlichkeit / Oh Männer sind so verletzlich« und hatte damit völlig Recht. An ihn musste ich denken, als ich die traurigste Geschichte der Woche las.

Der Franzose Richard Plaud wird mehr als eine Träne vergossen haben, nachdem sein großer Traum, ins Guiness Buch der Rekorde zu kommen, durch einen Formfehler zerplatze.

Was war passiert? Plaud hatte sich vorgenommen, den größten Nachbau des Eiffelturms aus Streichhölzern zu bauen. Weshalb er genau auf diese Idee kam, ist nicht überliefert. Aber laut Herbert G. sind Männer ja »furchtbar schlau«.

706.900 der Zündhölzer benötigte Richard für sein Werk, das mit einer Höhe von 7,19 Metern beeindruckende Ausmaße angenommen hatte. Als die Jury das Werk als Rekord anerkennen sollte, wandte sich das Schicksal jedoch gegen den Künstler.

Er hatte nämlich nicht, wie wohl gefordert, an allen siebenhundertsechstausendneunhundert Streichhölzern den Zündkopf manuell abgeschabt, sondern sich erdreistet die Köpfe mit einem Cutter-Messer abzuschneiden und darüber hinaus 190.000 Hölzchen ohne den Kopf direkt beim Hersteller Flam’Up zu kaufen. »So nicht, Freundchen«, sagten da die Juroren und nun steht Richard mit einem Holzturm, aber ohne Rekord da.

»Weil ich es kann« ist eine der ehrlichsten und wahrscheinlich auch bescheuertsten Erklärungen von Männern für ihr Tun. Dass viele dieser Ideen nur funktionieren, weil Frauen dabei im Hintergrund die Welt zusammenhalten, steht dann natürlich in keinem Artikel über diese Heldentaten. Auch in diesem Fall erfahren wir nicht, was Madame Plaud zu der Geschichte sagt.

Ich bin mir sicher, Richard lässt sich von piefigen Juroren nicht unterkriegen und schabt schon an den Streichhölzern für den nächsten Eiffelturm. Denn eines ist klar: »Männer sind auf dieser Welt einfach unersetzlich.«

Dir ein rekordverdächtiges Wochenende
T.

Post der Woche

‌‌‌‌‌Fünf fürs Wochenende

Fast Car

»You got a fast car / I want a ticket to anywhere / Maybe we make a deal / Maybe together we can get somewhere / Any place is better / Starting from zero, got nothing to lose / Maybe we'll make something / Me, myself, I got nothing to prove.« Tracey Chapman singt mit Luke Combs ihren bekanntesten Song auf der Grammy-Bühne. 5:12 Minuten für die Musikgeschichte.
» Ohren auf

Silence and the City

Große Städte sind laut, dreckig und stressig. Oft, aber nicht immer. Spitzenreiter in Europa ist Wien. Hier sind fast 60% der Bevölkerung fast täglich hoher Lautstärke (>65 db) ausgesetzt. Doch auch in den lautesten Städten gibt es Orte der Stille. Auf dieser Seite gibt es eine interaktive Weltkarte, um solche Zufluchtsorte zu finden. Erstaunlich viele davon sind in Europa und speziell Deutschland.
» Ohren zu

Temporäres für die Ewigkeit

Der Eiffel-Turm in Paris, das Atomium in Brüssel und der Hollywood-Schriftzug in Los Angeles sind drei Wahrzeichen, die jede*r kennt und die niemals für die Ewigkeit gedacht waren. Die Stadt der Liebe ohne ihren ikonischen Turm käme uns albern vor. Doch eigentlich sollte er 1909, 20 Jahre nach der Weltausstellung, für die er erbaut wurde, wieder verschwinden. Ein Glück, dass es anders kam. Dieser Artikel trägt zehn solcher Monumente zusammen.
» Built to last

Was ist der natürliche Feind der Ente?

Google merkt sich jede unserer Suchanfragen. Zwischen banalen, medizinischen (Ja, dieser Kratzer deutet auf einen Hirntumor hin!) und intimen Suchanfragen finden sich wahrscheinlich viele nach Öffnungszeiten und Adressen. Doch wie war das Googeln vor dem Internet? Die New York Public Library wurde regelmäßig mit kuriosen Fragen per Telefon konfrontiert. Als gute Bibliothekar*innen haben die Menschen am anderen Ende der Leitung die Fragen fein säuberlich auf Kärtchen notiert. Dank Google können wir sie heute im Internet finden.
» Please give me the name of a book that dramatizes bedbugs?

I'm Only Sleeping

Die Beatles schaffen es Jahrzehnte nach ihrem Ende immer noch für Furore zu sorgen. Bei den diesjährigen Grammys war es nicht so sehr der Song "I'm Only Sleeping", der das Aufsehen erregte, sondern vielmehr das dazugehörige Musikvideo. Die Künstlerin Em Cooper hat den dreiminütigen Film komplett in Öl gemalt. Frame für Frame. Keine KI, kein Photoshop. Der Song ist toll. Aber das Video ist großartig. Schön, dass die Künstlerin jetzt so viel Anerkennung erfährt.
» Traumhaft schön

Gedanke der Woche

»Wer immer unzufrieden ist, der taugt nichts.«
Theodor Fontane

Bild der Woche‌‌‌‌

Frage der Woche

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