Tobias Sammelsurium der Woche #25/2023

Na, alles gut bei dir? Geht es dir auch so, dass dir seit längerem an jeder Ecke Alles gut! entgegen schallt? Wir müssen in der besten aller Zeiten leben, denn Alles gut! höre ich mittlerweile gefühlt zehn Mal am Tag. Dir tritt jemand auf den Fuß? Alles gut! Die Info, die du von der Kollegin brauchst, liegt immer noch nicht vor? Alles gut! Der Pizzabote bringt statt einer Magherita eine Salami-Pizza? Alles gut! Mir scheint Alles gut! ist der Schlachtruf derjenigen geworden, die in diesem Moment lieber aus der Haut fahren würden.

Statt Enttäuschung, Verwunderung oder Wut Ausdruck zu verleihen, ist Alles gut!. Früher sagte man eher: Kein Problem!, aber auch das war wahrscheinlich schon gelogen. Doch Alles gut! sagt viel mehr. Es suggeriert nicht nur, dass die kleine Petitesse gerade nicht weiter stört. Nein, sie ist sogar gut und ALLES andere auch.

In diesen Momenten muss die Menschheit das Endziel ihrer Existenz erreicht haben. Wo alles gut ist, hat die puritanisch-kalvinistische Arbeitsethik ja nix mehr zu tun. Mein Eindruck allerdings ist, dass Alles gut! ist, seit es immer weniger gut ist. Ein mentales Trostpflaster in komplizierten Zeiten. Klima, AfD und Rezession? Alles gut!

Dir ein ehrliches Wochenende!
T.

Gezwitscher der Woche‌‌‌‌‌‌

Fünf fürs Wochenende

The Poor Man’s Rembrandt Project

Ein eigener Rembrandt ist für Normalsterbliche und finanziell nur angeheiterte Menschen natürlich überhaupt nicht darstellbar. Stimmt das? Nein. Bis Samstag kann man sich im Museum Rembrandthuis noch einen eigenen Klassiker tätowieren lassen. Gut, die Nachtwache ist jetzt nicht drin, aber etwas Kleines schon. Kostet nur 50 €, zuzüglich Museumseintritt. Dafür kann man es nicht selber machen.
» Zum Hautbrandt

Haus des Gekritzels

Kleine Schmierzeichnungen beim Telefonieren oder in endlosen Veranstaltungen sind ein unschuldiger kleiner Zeitvertreib. Im englischen nennt sich diese Ablenkung doodlen. Was der selbsternannte Mr. Doodle aber gemacht hat, geht auf keine Kuhhaut. Ja, gerade mal auf ein ganzes Haus. Er hat einfach alles, wirklich alles, bedoodlet, was ihm unter den Filzer gekommen ist. Zwei Tage in diesem Haus und ich hätte schwere nervliche Probleme.
» Doodleidoo

Das fotografierte Gemälde

Joseph Ford malt Bilder an und von Orten, um sie genau dort wieder zu fotografieren. So wird das Gemälde zum Ausschnitt des Fotos. Klingt komisch, ist aber ein Hingucker deluxe.
» Zu den Foto-Gemälden

Als die Telefone mobil wurden

Mein erstes eigenes Handy war ein Prepaid-Knochen mit einem Display so klein, dass man SMS einzeilig, horizontal scrollend mit T9 schreiben musste. Wir hatten ja nichts. Wer das Mobile Phone Museum, wahrscheinlich auf dem Smartphone, besucht und älter als 20 ist, kommt in eine Oma-erzählt-vom-Krieg Situation. Man muss ja keinen jungen Menschen mitnehmen, auf den Trip down Mobile Memory Lane.
» Zur Tech-Nostalgie

Setzkästen XXL

Der Ort meiner höheren Schulbildung verfügte über eine erkleckliche Biologiesammlung. Ausgestopfte Vögel, Formaldehyd-Präparate und sogar ein echtes menschliches Skelett, das aus Pietätsgründen fast keinem Schüler gezeigt wurde (mir schon). Woran ich mich nicht erinnern kann sind Setzkästen voller Stecknadel-fixierter Schmetterlinge. Diese Insekten zu fangen ist eine Heidenarbeit und wohl auch nicht mehr zeitgemäß. Der Künstler Mantra hat da eine bessere Idee gehabt. Setzkästen auf Hauswänden.
» Zu den Butterfly-Bildern

Gedanke der Woche

"Dieses Gewese um Schönheit wird immer unerträglicher. Die Menschen sollten sich mehr anstrengen, weniger dumm zu sein, denn das würde sie am besten kleiden. Das  empfehlenswerteste Accessoire ist ein Buch."
Vivienne Westwood

Bild der Woche‌‌‌‌

Frage der Woche

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