Tobias Sammelsurium der Woche #34/2025
Wer in Richtung des nördlichen Endes Deutschlands mit dem Auto fährt, quert auf der A7 fahrend mit Hilfe der Rader Hochbrücke den Nord-Ostsee-Kanal.
Blickt man hinab, sieht man landschaftlich reizvoll gelegen dort am Ufer des Kanals die bescheidene Behausung einer Nussschalen-Manufaktur. Die Firma Lürssen baut dort Wohnwagen fürs Meer.
Kleine, bescheidenen, oft unauffällig gestaltete Schiffchen der Klasse Ruderboot-Plus, mit der sich auch weniger gut betuchte Menschen einen Urlaub nicht am, sondern auf dem Meer leisten können.
Nur 55 bis 110 Meter lang sind diese Seelenverkäufer, die den Traum von der See erschwinglich machen.
Im Jahr 2016 verließ unter dem Namen Mistral eine solche Jolle derartig unauffällig ihren Geburtsort, dass die Werft selbst ein Video davon veröffentlichen musste. Es hätte sonst niemand mitbekommen.
Der Käufer schämte sich seiner lausigen Anschaffung so sehr, dass er einen Freund bat, als anonymer Strohmann hinter dem britischen Trust zu fungieren, der offiziell Eigentümer dieser Schande werden sollte.
Dummerweise kamen amerikanische Behörden dahinter, dass es sich bei dem Mann hinter dem Strohmann um den fast mittellosen Kleinanleger namens Suleiman Abusaidowitsch Kerimow handelt.
Es steht zu vermuten, dass er seine Stromrechnungen nicht mehr begleichen konnte. Jedenfalls wurde seine mittlerweile auf den Namen Amadea getaufte Nussschale eines Tages auf Tahiti beschlagnahmt. Weil selbst die amerikanische Regierung sich dieses Teils schämt, wird die Amadea jetzt versteigert.
Die Bilder auf der Website des Pfandleihauses, bei dem die Jolle untergestellt wurde, sind etwas übertrieben. Klar, man hat das Ding sauber gemacht und etwas aufgeräumt, soll sich ja schließlich verkaufen. Aber ihre Armseligkeit vermag sie trotzdem nicht zu verbergen.
Wer vielleicht noch einen Liegeplatz am Steinhuder Meer oder auf Rügen übrig hat, kann sich ja mal überlegen, ob das Ding nicht eine nette Kleinigkeit für die Kinder oder Enkel im Sommer 2026 sein könnte.
Alles, was man dafür braucht, ist eine Bieterkaution in Höhe von lausigen 10 Millionen US-Dollar. Für die meisten Lesenden ist das sicherlich völlig uninteressant, wer aber ein bisschen aufs Budget achten muss, ist hier sicherlich gut bedient. Man muss ja niemandem erzählen, dass man auf Schnäppchenjagd war.
Am Heck würde ich zur Einweihung diesen Aufkleber empfehlen. Der würde bestimmt auch Herrn Kerimow gefallen.
Dir einen exklusiven Rest-Sonntag!
T.
Post der Woche

Fünf fürs Wochenende
Yo-Yo Yeah
Einen Yo-Yo so abzurollen, dass er danach wieder zurück in Richtung Handgelenk schnurrt, ist für viele Menschen das größte Kunststück, das sie mit diesem Sportgerät hinbekommen. Bei Hajime Mijura geht es noch ganz leicht darüber hinaus. Schließlich ist er der aktuelle Yo-Yo-Weltmeister. Die Aahs und Oohs aus dem Fachpublikum sind für laienhafte Beobachter sehr hilfreich, deuten sie doch darauf hin, welche der unglaublichen Tricks besonders tricky sind.
» Bitte nicht vor der Vitrine mit Omas Porzellan nachmachen
Murder on the Dancefloor
Wer bei der nächsten Tanz-Okkasion mit Top-Skills beeindrucken möchte, dem seien diese knapp 7 Minuten empfohlen. Hier wird ein Bewegungs-Banger nach dem Nächsten rausgehauen und nachmach-freundlich vorgetanzt. Da kann der Disco Fox endgültig einpacken.
» You'd better not kill the groove
Paris bewaldet
Die Pariser Stadtverwaltung treibt in den letzten Jahren sehr aktiv den Wandel der Metropole voran. Immer weniger Parkplätze, immer mehr Radwege und eine Seine, in der wieder geschwommen werden kann. Jetzt wurde der Rathausplatz entsiegelt und ein Wald gepflanzt. Spektakulär, wie sich der Eindruck einer großen Fläche dadurch verändert. Auch in Deutschland fallen mir zwischen Hamburg und München viele gruselige Betonflächen vor Rathäusern ein, denen ein solcher Stadtwald gut täte.
» Mon ami l'arbre
Der weiße Hai
Vor 50 Jahren kam »Der weiße Hai« ins Kino. Steven Spielbergs Schocker aus den Tiefen des Meeres gruselte Millionen von Kinobesucher*innen in aller Welt und ist bis heute berühmt für seine angsteinflößende Hai-Darstellung. Jetzt werden die Requisiten des Films versteigert. Unter anderem stehen die Augen der Bestie zum Verkauf. Das Startgebot liegt bei 25.000 Dollar, erwartet wird ein Erlös von bis zu 100.000 Dollar. Spannender als mitzubieten ist sich die irre Technik anzusehen, mit der Hai zum Leben erweckt wurde.
» Das sind keine Teddy-Augen
Der Zauberwürfel
Ein Rubik's Cube hält gerade K2 beschäftigt. Die Frage, wie man einen Zauberwürfel zurück in die Ausgangsstellung dreht, treibt es fast in den Wahnsinn. Stundenlange YouTube-Videos verwirren mehr, als dass sie helfen. Jetzt habe ich dieses Videos eines jungen Mannes gesehen, der innerhalb von 2 Minuten und 2 Sekunden einen Zauberwürfel zurück in die Werkseinstellung dreht und das mit VERBUNDENEN Augen. Zur Vermeidung kindlicher Depressionen darf dieses Video vorläufig nicht in die Nähe von K2 gelangen.
» Völlig durchgedreht
Damals geschrieben
#34/2024: Der August. Der Sonntag des Sommers.
#34/2023: Die Alten. Das Daddeln.
Gedanke der Woche
»If we go for the easy way, then we never change«
Marina Abramovic
Bild der Woche

Frage der Woche
Worauf hoffst du?
Die geheime Durchhaltsache
Der Versuch 2025, statt eines großen Vorsatzes, eine kleine Sache jeden Tag zu machen.
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