Tobias Sammelsurium der Woche #01/2026
Das neue Jahr ist gerade vier Tage alt und bietet schon mehr Stoff zum Kopfkratzen als mir persönlich lieb ist.
Die üblichen Silvester-Böllereien mit unzähligen abgetrennten Gliedmaßen und bundesweit nur 11 Toten kommen einem ja schon geradezu wie liebgewonnene Folklore vor, wenn man dagegen die 40 Toten und weit über 100 Verletzten in einem einzigen Schweizer Club sieht. Ob Pyrotechnik in Laienhand eine gute Idee ist, bleibt leider weiter ungeklärt. Deswegen ist ein Böllerverbot selbstverständlich indiskutabel. Schade, schade. 2027 vielleicht – oder auch nie.
Die Idee, einen unliebsamen Diktator wegen seiner Ölreserven aus dem Amt zu jagen, hatte man in Washington auch früher schon einmal. Damals hat man sich wenigstens die Mühe gemacht vorher die UNO noch zu belügen. Heute schlägt man einfach zu und erklärt das Völkerrecht für tot. Irre Zeiten.
Dass 45.000 Berliner Haushalte voraussichtlich noch bis kommenden Donnerstag ohne Strom auskommen müssen, ist in Zeiten zunehmender Elektrifizierung völlig unwitzig. Zumal, wenn wir uns durch selbst erzeugte Energie von Halunken wie Donnie T. und Maduro unabhängig(er) machen wollen. Wenigstens geht die Instandsetzung schneller als der Neubau einer Autobahnbrücke. In Deutschland weiß man ja nie.
Und mit diesem Jahresanfangslamento ist auch dieser Text leider Teil einer Schlechte-Laune-Epidemie, wie man sie an vielen Stellen gerade erleben kann.
Der ganze Text? Nein, ein kleiner gallischer Absatz wehrt sich dagegen:
Ja, vieles wird auch dieses Jahr schwierig oder gar beschissen werden. Wir werden schlimme Dinge erleben (müssen). Wir könnten natürlich hoffen, dass es 2026 viel besser wird, als wir denken. Hoffnung ist schön, aber auch herrlich passiv. Was aber aussichtsreich ist und bleibt, egal wie schlimm es ist, ist Zuversicht. Was kann ich jetzt tun, damit diese Situation ein bisschen besser wird? Die Betonung liegt dabei auf Was, Ich und Jetzt. Damit heben wir die Welt vielleicht nicht aus den Angeln, aber wir tun etwas dafür, dass unser Leben erträglich bleibt. Wenn Menschen wie Viktor Frankl das selbst im KZ Auschwitz konnten, können das auch wir Menschen des Jahres 2026. Bequem ist Zuversicht nicht immer, aber sie ist immer hilfreich. Garantiert.
Dir ein lebendiges 2026!
T.
Post der Woche

Fünf fürs Wochenende
Patrick Melrose
Weihnachten und die so schön »zwischen den Jahren« genannte Zeit fordern neben den unerlässlichen und schönen Sozialkontakten auch zu Faulenzerei und Rückzug auf. In diesen Phasen habe ich die fünfteilige Miniserie »Patrick Melrose« bei Arte gestreamt. Keine leichte Kost, aber mit Benedict Cumberbatch exzellent besetzt und fesselnd bis zum Schluss. Worum geht's? »Patrick Melrose ist ein britischer Aristokrat mit übertriebenem Ego und schizophrenen Tendenzen. Alkohol, Drogenmissbrauch und Frauengeschichten gehören zu seinem Alltag, doch dahinter steckt ein trauriges Schicksal und eine traumatisierende Kindheit. Erst nach dem Tod seines Vaters wird Patrick langsam klar, dass er sich seinem innewohnenden Schmerz stellen muss« schreibt Arte und besser kann man es wohl nicht zusammenfassen. Britisch heiter ist es zwischendurch aber auch.
» Ein narzisstisch-suizidaler Alkoholiker
Unhappy Sex Now
Na, neugierig? Mit Sex in der Überschrift bekommt man ja immer Aufmerksamkeit. Ich nutze sie für eine Kombi-Empfehlung: Noch bis zum 3. Mai wird im Düsseldorfer Kunstforum NRW die Ausstellung SEX NOW gezeigt. Ein Besuch lohnt sich, für alle Menschen die Sex haben, hatten oder haben werden. Obacht die Veranstaltung ist FSK 18. Schade eigentlich, es wäre auch eine guter Ort für Jugendliche in Begleitung, aber das lässt der deutsche Jugendschutz scheinbar nicht zu.
Wem Düsseldorf zu weit oder als Kölner*in zuwider ist, dem sei stattdessen die wirklich gelungene Doku-Reihe Unhappy mit Ronja von Rönne in der Arte Mediathek empfohlen. Dort gibt es seit dem 1. Januar einen Schwung neue Folgen, unter anderem »Vom guten Sex« aber auch Folgen über das Streiten, das Altern, Urlaub und andere Themen, die das Leben so menschlich machen. Sehenswert!
» SEX NOW
» Unhappy
💩 stapeln
Dieses kleine Browsergame lässt uns, nun ja, ausrangiertes aufeinander stapeln. Zum Schluss muss man ein Schwein drauf setzen. Wer den höchsten Turm baut gewinnt. Wenn man’s verkackt, fällt alles in den Dreck. Infantiler Humor? Ja. Nette Unterhaltung aber auch.
» Was für eine Schweinerei
The Thinking Game
Als Demis Hassabis Neurowissenschaften studierte, war von genereller künstlicher Intelligenz, also einer Intelligenz, die wie der Mensch aus eigenen Erfahrungen lernt, noch kaum die Rede. Ein abseitiges Thema für Nerds wie Demis. Er trieb das Thema voran und gründete Deepmind, das KI-Startup, das später von Google übernommen wurde. Seine Arbeit ist so bahnbrechend, dass er 2024 den Nobelpreis in Chemie erhielt. Die Doku »The Thinking Game« über ihn und Deepmind ist jetzt auf YouTube zu sehen und wurde bereits fast 250 Millionen Mal gestreamt. Anschauen lohnt sich, denn auch wenn man mit KI nichts zu tun hat, sieht man welche Entwicklungen bereits hinter uns liegen und erahnt, was da noch kommen könnte. Faszinierend und herausfordernd. Übrigens: Deutsche Untertitel können aktiviert werden.
» Was ist eigentlich Intelligenz?
Fünf Schritte für bessere Meetings
Eine Minute und 11 Sekunden brauchte der Komiker John Cleese 1976, um aufzulisten, wie ein gutes Meeting aussieht. 50 Jahre später hat sich nichts daran geändert. Nur sinnlose, langweilige, ausufernde, unstrukturierte, machtbesessene oder welche unschönen Adjektive einem sonst dazu einfallen, gibt es immer noch. Herrje, warum? Vielleicht muss man dieses Video einfach am Anfang jedes Meetings abspielen.
» Importance over Urgency
Damals geschrieben
#01/2025: Die Angst. Das Ja.
#01/2024: Die Amateuersäufer. Die Lungenaffektion.
Gedanke der Woche
»Und allem Weh zum Trotze,
bleib ich verliebt in diese verrückte Welt.«
Hermann Hesse
Bild der Woche

Frage der Woche
Ab wieviel Toten lohnt sich ein Böllerverbot?
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