Tobias Sammelsurium der Woche #38/2023

Politik ist dieser Tage, mehr denn je, ein heikles Thema. Der Druck vom rechten Rand wird permanent größer und die Ampel-Regierung schießt sich seit Tag eins geradezu wollüstig selbst sturmreif. Der Kanzler schaut unbeteiligt zu. Den Historikern wird er dereinst sagen, die Details seien ihm nicht erinnerlich.

Die Grünen googlen noch nach dem Unterschied zwischen gut gemeint und schlecht gemacht. Gleichzeitig faselt die FDP weiter von Technologieoffenheit und gibt sich unbeirrt davon, dass die Dänen gerade ihre letzte Wasserstofftankstelle schließen. E-Fuels ick hör dir trapsen.

Last but not least zerlegt sich gerade die Linke so, dass Sahra Wagenknecht sie in Kürze zur Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands neu zusammenbauen kann. Der Saarland-Napoleon und vielleicht auch der Gazprom-Kanzler werden ihr liebend gerne den Steigbügel halten.

Es müssten also goldene Zeiten für die größte Oppositionspartei sein, die dies im Konrad-Adenauer-Haus jeden Morgen mit einem Champagner-Frühstück und einem Dankgebet für Angela Merkel feiern sollte. Schließlich war es  die Kanzlerin, die in ihrer Amtszeit alle politischen Positionen gleichzeitig so virtuos besetzt hat, dass die anderen Parteien jetzt am Krückstock gehen.

Doof ist bloß, dass der neue Chef auch nur die B-Ware aus den frühen 2000ern ist. Außer mit seiner Diamond DA62 ist Friedrich Merz bis heute noch nicht durchgestartet. Tja, was macht man, wenn's schlecht läuft? Man kauft neue Klamotten. Im Fall einer Partei ein neues Logo. Das frische Cadenabbia-Türkis und das seriöse Rhöndorf-Blau, die diese Woche vorgestellt wurden, beziehen sich auf Konrad Adenauer, der erst vor sechzig Jahren aus dem Amt schied.

Das neue CDU-Türkis ist so karibisch wie der Cocktailstand der Jungen Union auf der Arnsberger Kirmes und so pfiffig wie eine farbige Fliesen-Bordüre über dem Pissoir. Das Rhöndorf-Blau wird safe die neue Anzugfarbe zu weißen Sneakern auf jedem Parteitag. Klima, Demographie, Migration? Cadenabbia ist die Antwort. Die Zukunft kann kommen.

Wie sagte schon Walter Ulbricht? Den Sozialismus, Pardon, den Wahnsinn in seinem Lauf halten weder Ochs noch Esel auf.

Dir ein gut durchlüftetes Wochenende!
T.

P/S Weil ich auf der cleveren Seite des Lebens groß geworden bin, habe ich den Ball direkt aufgenommen. Im Jahr 60 nach Merkel, 2081, werde ich im Alter von 98 Jahre der CDU ihre nächste Zukunftsfarbe verkaufen: Uckermark-Braun.

Post der Woche

‌‌‌‌‌Fünf fürs Wochenende

Questions for Life

Der österreichische Designer Maximilian Kiener findet, dass Sachbücher meistens zu lang sind. Er hat deshalb ein interaktives Mini-Website-Buch mit zwölf Fragen für das Leben entwickelt. Das ganze dauert, wie er sagt, nicht länger als eine Tasse Kaffee. Mit genau der in der Hand empfiehlt sich auch das Lesen der Seite, auf der Suche nach der Antwort, wie du eigentlich du wurdest.
» Answers for Life

Globalgalaktische Schönheit

Als die NASA 1990 das damals weit entfernteste Bild vom Planeten Erde mit dem Namen Pale Blue Dot veröffentlichte, war das eine Sensation. Nie zuvor hatte die Menschheit ihre eigene kosmische Bedeutungslosigkeit so plastisch gezeigt bekommen. Der umgekehrte Blick ins Universum ist mindestens genauso faszinierend, wie die Preisträger des Astronomy Photographer of the Year 2023 Wettbewerbs in der Kategorie Galaxien zeigen.
» Is there anybody out there?

German Mum and Italian Dad

Laura Ramoso ist eine in Kanada lebende Comedienne, deren Eltern aus Deutschland und Italien stammen.  Auf Instagram folgen ihr fast 900.000 Menschen und lachen sich über die Parodien ihrer Mutter und ihres Vaters kaputt. Alles andere ist auch großartig.
» Gotta love @lau_ramoso

Lego-Lachsfilet

Wie tranchiert man einen Lachs? Keine Ahnung? Gut, wie tranchiert man einen lebensechten Lachs aus Lego? Wahrscheinlich, indem man ihn mal erst zusammenbaut. Es ist faszinierend gaga, was Menschen für Aufwand für ein Video betreiben. Ob man nach dem Video einen Lachs zerlegen kann? Keine Ahnung. Aber die Legokiste entstauben, das könnte passieren.
» Garantiert grätenfrei

Waldstille

Manchmal wären fünf Minuten Alleinsein im Wald wie ein Schnelllader für die Seele. Wem Wald, Zeit oder Ruhe akut fehlen, dem sei dieser Mikrobesuch in einem japanischen Wald empfohlen. Direktabschaltung garantiert.
»Zum Bäumebad(4,5 Minuten)

Gedanke der Woche

»Nicht weil die Dinge unerreichbar sind, wagen wir sie nicht – weil wir sie nicht wagen, bleiben sie unerreichbar.«
Seneca

Bild der Woche‌‌‌‌

Frage der Woche

Ist die Lücke zwischen Wunsch und Wirklichkeit das eigentliche Ziel?

1 Wochenrückblick in 1 GIF‌‌‌‌‌‌

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